Urzeit

Die Landschaft die wir heute an der Obermosel vor Augen haben und die uns auch sehr vertraut ist, hat nicht immer so ausgesehen wie wir sie jetzt erleben. Diese Landschaft war in der Urzeit mehrfach von riesigen Meeren bedeckt. Als das Wasser sich zurückzog hinterließ es Ablagerungen auf der Erdoberfläche und eine fast ebene Landschaft. Diese Ablagerungen sind heute als verschiedenartige, dem Zeitpunkt ihrer Entstehung nach charakteristische Gesteinsschichten zu erkennen.

Im Bereich von Nittel bildeten sich auf diese Weise nacheinander unterschiedlich stark ausgebildete Schichten des unteren, des mittleren und den oberen Muschelkalks. Vor etwa 200 Millionen Jahren bildete sich aus den Ablagerungen eines Muschelkalkmeeres der „Untere Muschelkalk“. Aus den nächsten Ablagerungen entstand der „Mittlere Muschelkalk“. Die nächste Ablagerungsschicht bildete der „Obere Muschelkalk“, dem die Felswand oberhalb von Nittel in ihrer gesamten Höhe zuzurechnen ist.

Die Erdoberfläche der Erde war aber noch nicht zur Ruhe gekommen. Im Laufe des Tertiärs, vor etwa 60 Millionen Jahren, wurde das Land durch Verschiebungen und Verwerfungen in der Erdkruste stellenweise angehoben, bzw. abgesenkt. Es bildeten sich regelrechte Falten im Gelände. Einer solchen Falte verdankt wohl auch das Moseltal seinen Ursprung.

Das Klima in der Urzeit war einem mehrmaligen Wechsel zwischen warmen, feuchten, fast sogar tropischen Zeitabschnitten und eisigen Perioden unterworfen. Die aus den Vogesen abfließenden großen Schmelzwasser der ausklingenden Kälteperioden führten riesige Mengen Schotter und Sand mit sich und lagerten diese am Grunde und den Rändern der damaligen Flüsse ab. Waren die Schmelzwasser abgeflossen, so zogen sich die Flüsse wieder in die zuvor durchflossenen Vertiefungen zurück. Sie gruben sich wieder tiefer ein und verbreiterten ihr Flussbett. Durch diese Ablagerungen, durch erneute Erdbewegungen und diesem Wechselspiel zwischen Verbreiterung und Vertiefung des Flussbettes entstanden beiderseits der Mosel Terrassen, die stellenweise noch heute zu erkennen sind.

Ein ganz besonderes und sehr gut erhaltenes Fossil gefunden in Nittel ist ein versteinertes Gehäuse eines Kopffüssers (Nautilide). Dieses Tier ist verwandt mit den heutigen Tintenfischen. Es lebte vor etwa 200 bis 220 Millionen Jahren in flachen Meeresteilen unserer Region. Das Tier ist nach seinem Tode im Meer abgesunken. Dort hat sich das Gehäuse anschließend mit Meeresschlamm gefüllt und zu einem sogenannten Steinkern verfestigt. Das Fossil hat einen Durchmesser von etwa 12 cm und einer Dicke von etwa 6 cm. Im Jahr 2018 dieses Fossil ist als offizieles Logo der Verein Geschichts- und Kulturfreunde Nittel e.V. genommen.

Das versteinertes Gehäuse eines Kopffüssers (Nautilidae)
Foto: Hans-Josef Wietor