Rehlingen

Die erste urkundliche Erwähnung des heutigen Ortes “Rehlingen” entstammt einer Auflistung der um die Mitte des 12. Jahrhunderts nach Mettlach wallfahrenden Kirchenorte. Der Ort wird darin mit „Reildinga“ bezeichnet. Im Jahre 1330 ließ der Trierer Erzbischof Balduin die „Taxa Generalis“, ein Register zur Besteuerung der kirchlichen Benefizien, anlegen. Auch darin einscheint Rehlingen als „Reildinga“.

Ortsnamen mit den Endungen „-ingen“ weisen meist auf eine Siedlungsgründung in fränkischer Zeit hin. Dieses wird bestätigt durch ein fränkisches Gräberfeld anstelle des heutigen Friedhofes um der Kapelle und einer vermuteten fränkischen Hofstelle im Bereich des heutigen Dorfes.

Für die nachfolgenden Epochen kann im Bereich von Rehlingen von einer kontinuierlichen Besiedlung dieses Bereiches ausgegangen werden. Dies belegen zahlreiche Bodenfunde die im Laufe der Zeit in der Umgebung von Rehlingen gemacht wurden.

Ein ganz besonderer und einzigartiger Fund aus der römischen Zeit wurde im Jahre 2000 gemacht. Beim Bau eines Hochwasserrückhaltebeckens am Rehlinger Bach wurden Reste eines vermutlich aus dem 3. Jahrhundert stammenden römerzeitlichen Ziegelbrennofens gefunden.

Wie bei vergleichbaren Anlagen sind in erster Linie die Teile erhalten, die in den Boden eingebracht worden waren. Dabei handelt es sich um den Bedienungsraum und die Feuerkammer, die aus einem Mittelkanal und seitlich abzweigenden Zügen besteht. Die Züge werden begrenzt durch Ziegelmauern, die ehemals einen durchbrochenen Boden trugen, über dem sich die ebenerdig gelegene Brennkammer befand. Nach außen ist der Ofen von Steinmauern umgeben, die im Bereich der Feuerkammer eine Mächtigkeit von bis zu 1,80 m erreichen. Diese waren somit geeignet, einen kuppel- oder tonnenförmigen Oberbau zu tragen.

(Fotos:  Hans-Josef Wietor)

Der sichtbare Durchgang in der Mitte des Bildes ist der ehemalige Feuerschacht, der, wie noch zum Teil erkennbar, mit einer runden Abdeckung versehen war. Darüber befand sich das Gebäude, in dem die Ziegel lagerten, die gebrannt wer-den sollten.

Der Ziegelbrennofen von Rehlingen zeichnet sich nicht nur durch einen sehr guten Erhaltungszustand aus, der interessante Aufschlüsse über die Bauweise solcher Anlagen liefert, er gehört mit einem Außenmaß von 13 x 8 m auch zu den größten Vertretern seiner Art. Daher ist zu vermuten, dass die Ziegelproduktion nicht nur für die Verwendung vor Ort erfolgte, sondern auch der Deckung des erheblichen Baumaterialbedarfs in Trier diente. Durch die Lage des Ofens unmittelbar an der Mosel konnte die Ware problemlos per Schiff moselabwärts in die Stadt transportiert werden.

Während der Freilegung des Ofens kam nur wenige Meter entfernt ein weiterer interessanter Befund zutage. Es handelt sich dabei um ein karolingisches Grubenhaus mit einer Herdstelle. Die Datierung wird ermöglicht durch die zugehörigen Scherben. Frühmittelalterliche Häuser waren nicht aus Steinen, sondern in Pfostenbauweise errichtet. Sie geben sich heute nur noch durch Verfärbungen im Boden zu erkennen und werden daher meist unbeachtet entfernt.

Der 30-jährige Krieg von 1618-1648 brachte auch über die Menschen an der Obermosel viel Leid und Elend. Nachdem die Menschen an der Obermosel etwa bis zu dem Jahre 1630 von dem schlimmsten Auswirkungen dieses Krieges verschont geblieben waren, brach dann auch über unsere Heimat die ganze Härte dieses brutalen Krieges herein. Die Soldaten verschiedener Nationalitäten zogen mordend und brandschatzend durch das Land, sie folterten oder töteten die Menschen und brannten oftmals die Gehöfte oder ganze Dörfer nieder. Auch die Rehlinger blieben von diesen Kriegsauswirkungen nicht verschont.

Im 16. und 17. Jahrhundert war Rehlingen in drei Teile aufgeteilt. Je ein Teil gehörte zu Luxemburg, zu Kurtrier und zum Herzogtum Lothringen. Dadurch bedingt kam es immer wieder zu Streitigkeiten durch vielerlei Situationen und Handlungen, wie z.B. im Jahre 1737 wegen der Gerichtsbarkeit in Rehlingen. Nach dem Tode des lothringischen Herzoges Stanislas Leszczynski fiel Lothringen im Jahre 1766 vertragsgemäß an Frankreich, damit dann auch der lothringische Teil von Rehlingen.

Im Jahre 1769 trat der französische König Ludwig XV. seine Rechte auf Nittel, Köllig die Anteile von Rehlingen an die österreichische Kaiserin Maria Theresia ab. Damit gehörten Nittel, Köllig und Teile von Rehlingen ab diesem Zeitpunkt gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Ort Machtum, zur Propstei Grevenmacher, in den Österreichischen Niederlanden.

Im weiteren Verlaufe der Geschichte verliefen die Herrschaftsverhältnisse in Nittel, Köllig und Rehlingen weitgehend in parallelen Linien. Zunächst wurden sie nach Napoleons Eroberungskriegen dem französischen Reich einverleibt und gehörten nach der Neueinteilung der Verwaltungsbereiche zum Wälderdepartement, dem Departement de forets. Nach dem Wiener Kongress wurde die Mosel in ihrem Verlauf nicht nur als eine natürliche, sondern erstmals auch als eine politische Grenze angesehen. Nittel, Köllig und Rehlingen wurden zum 01.05.1816 dem Königreich Preußen unterstellt und dem Kreis Saarburg angegliedert.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts folgten viele Menschen, darunter auch 7 Familien aus Rehlingen, dem damaligen Zeitgeist zum Aufbruch in die „Neue Welt“ nach Amerika. Die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland und besonders auch an der Obermosel waren nach den zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen katastrophal. So entschlossen sich viele Menschen zu dem großen Schritt ihre Heimat zu verlassen, um zwar in eine ungewisse, aber hoffentlich bessere Situation zu gelangen.

Nach dem II. Weltkrieg gehörten Nittel, Köllig und Rehlingen zum Kreis Saarburg und wurden am 18.07.1946 zunächst dem Saargebiet angegliedert. Im Jahre 1949 wurde der Kreis Saarburg dem Land Rheinland-Pfalz unterstellt.

Im Zuge einer Kommunalreform wurde im Jahre 1970 aus den bis dahin selbständigen Gemeinden Nittel, Köllig und Rehlingen die Ortsgemeinde Nittel gebildet.