Kapelle Sankt Rochus

Hoch über dem Moseltal thront die Kapelle auf dem Berge oberhalb von Nittel. Dieses Gotteshaus hat eine sehr lange und bewegte Geschichte. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kapelle als Marienkapelle, Bergkapelle und Wallfahrtskapelle bezeichnet. Heute wird sie meist als Rochuskapelle gennannt.

Kapelle Sankt Rochus (Foto: Hans-Josef Wietor)

Die erste urkundliche Erwähnung der Kapelle stammt aus dem Jahr 1432. Mit einer Ablassbulle vom 02.09.1432 verlieh Papst Eugen IV. allen Besuchern der Nitteler Kapelle einen Ablass von 12 Jahren.

An der Kapelle entstand eine Klause, die von einer „Bruderschaft der unbefleckten Empfängnis” bewohnt wurde. Diese Bruderschaft bewirtschaftete die Felder um die Kapelle und lebte in den umliegenden Gebäuden. Die frommen Klausner verehrten die Gottesmutter und hatten es sich zur Aufgabe gemacht, das Gedenken an die Muttergottes zu pflegen und das Gotteshaus zu erhalten.

Besondere Dienste um die Kapelle hat sich der Eremit Peter Beck (* 1661 in Nittel) erworben. Er war Brudermeister und ein tiefer Verehrer der Muttergottes. Er lebte von 1685 bis zu seinem Tode bei der Kapelle.

Im Jahre 1701 war die Kapelle infolge von Kriegseinwirkungen in einem sehr schlechten Zustand, es drohte der Einsturz. Peter Beck war maßgeblich daran beteiligt, dass die Kapelle vor diesem Schicksal bewahrt werden konnte und wieder aufgebaut wurde. Die Kapelle erlebte nun eine gute Zeit. In einem Visitationsbericht aus dem Jahr 1735 und 1738 wurde die Kapelle als Wallfahrtskapelle auf dem Nitteler Berge beschrieben. Die Kapelle hatte damals 3 Glocken, 4 Altäre und 4 Kelche, eine reiche Ausstattung für die damalige Zeit.

Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts war unsere Heimat einem ständigen Wechsel der Zuständigkeiten in staatlicher und kirchlicher Hinsicht unterworfen. Durch dieses Wechselspiel fühlte sich niemand verantwortlich für die Kapelle.

In den Kriegswirren nach der französischen Revolution wurden Kapelle und Klause geschändet und geplündert. Der französische Staat beschlagnahmte die zur Kapelle gehörenden Ländereien und ließ diese am 18. Juni 1806 in Luxemburg versteigern. So wurde die Kapelle aller Güter beraubt und es begann ein düsteres Kapitel der Geschichte der Kapelle.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde zudem die Klause an der Kapelle aufgegeben. So sorgte niemand mehr für die Instandhaltung der Kapelle.

Die Kapelle verfiel zusehends. Im Jahre 1832 musste sie wegen ihres schlechten Zustandes geschlossen werden. Da das Geld für den Aufbau der Kapelle fehlte wurde in den folgenden Jahren sogar ein Abriss oder ein Verkauf der Kapelle in Betracht gezogen. Dieses wollten die Christen aus Köllig und Nittel dann aber doch nicht zulassen. Peter Puhl aus Köllig sammelte Geld für den Aufbau der Kapelle. Viele Bürger beteiligten sich daran und die Kapelle konnte wieder aufgebaut werden. So feierten am 28.11.1836 wieder den ersten Gottesdienst in dem renovierten Gotteshaus.

In den Jahren um 1860 wurde die Bevölkerung an der Obermosel von der Cholera heimgesucht. Etwa 30 Menschen fielen allein in Nittel dieser Krankheit zum Opfer. In ihrer Not pilgerten die Menschen in Prozessionen zur Kapelle und baten den heiligen Rochus um Hilfe. Sie gelobten dabei das mittlerweile schon wieder renovierungsbedürftige Gotteshaus wieder in ein würdevolles Gebäude zu versetzen, wenn die Krankheit besiegt ist. Bevor dieses geschehen konnte, tobte am 18. Juli 1865 ein heftiges Gewitter über dem Moseltal. Ein Blitz traf den Turm der Kapelle, die Glocke fiel herunter und verschmolz teilweise, das Dach brannte völlig ab. Als endlich die Cholera besiegt war, hielten die Menschen sich an ihre Gelöbnis und bauten die Kapelle wieder auf.

Im Jahre 1867 erstrahlte die Kapelle in neuem Glanz. Seit dieser Zeit ist die Kapelle, abgesehen von Erhaltungs- und Verschönerungsmaßnahmen, im Wesentlichen unverändert geblieben. Heute befindet sich die Kapelle in einem guten Zustand. Auf dem Friedhof neben dem Gebäude finden die Verstorbenen des Ortes Köllig ihre letzte Ruhestätte.

Die Geschehnisse der Vergangenheit sind auch heute noch nicht vergessen. Alljährlich pilgern die Christen am 16. August in einer Prozession zu Ehren des heiligen Rochus zur Kapelle und bringen ihm die ersten reifen Trauben des Jahres.