Die Mosel

Die Mosel hat die Landschaft, die Orte und die Menschen an der Obermosel geprägt. Sie hat eine einzigartige Landschaft gestaltet. Die Menschen haben an dem Fluss oder in seine Nähe gesiedelt. Die Mosel hat die Menschen beschenkt, ihnen viele Möglichkeiten beschert, z.B. die Schifffahrt und sie hat ihnen oftmals große Sorgen gemacht, z.B. bei auftretendem Hochwasser.

Nach der Besiedlung des Moseltales erkannten die Menschen bald, dass sich schwere Lasten oder Massengüter schneller und leichter zu Wasser als zu Lande transportieren lassen. Eine Schifffahrt auf der Mosel wird erstmals in römischer Zeit dokumentiert. Um die Schiffe anzutreiben, nutzte man neben der Windkraft auch die Muskelkraft von Mensch und Tier. Die mit Segeln eingefangene Kraft des Windes reichte meist nicht aus, so mussten die Schiffe von sogenannten Treidelpfaden, die sich entlang des Flusses befanden, gezogen oder geschoben werden. Das Treideln eines Schiffes bedeutete, dass von einem niedrigen Mast des Schiffes ein starkes Tau horizontal zu Männern oder Pferden gespannt war, die auf den Uferwegen mit kräftigen Schritten die Schiffe voranzogen. Die Männer wurden als Halfen bezeichnet.

In vielen Orten an der Mosel wurden Schiffer- und Halfenstationen eingerichtet, in denen die Männer und die Tiere sich ausruhen konnten. Eine solche Halfenstation war in dem heutigen Gebäude in der Moselstraße 13 untergebracht. Über dem Eingang befindet sich heute noch eine Kopie der Figur des heiligen Nepomuk, dem Schutzpatron der Schiffer.

Durch die Erfindung der Dampfschiffe änderte sich dieses Bild der Moselschifffahrt grundlegend. Am 15.08.1840, also erst vor fast 200 Jahren, eilten die Nitteler zur Mosel um das erste Dampfschiff bei der Fahrt auf der Mosel zu bewundern.

Das Dampfschiff Prinz Heinrich vor Nittel, um 1920 (Foto: Unbekannt)

Natürlich wollten die Menschen beiderseits der Mosel auch miteinander kommunizieren und sich treffen. Um einen kurzen Weg zur gegenüberliegenden Moselseite zu schaffen, wurde bei Nittel eine Furt angelegt. Durch das Flussbett wurde eine Anhöhung, wie ein Weg, aufgeschüttet und so gut wie möglich befestigt. Die Oberkante dieser Aufschüttung lag knapp unterhalb des normalen Wasserpegels. Eine weitere Furt, vermutlich sogar die ältere und größere der beiden Furten querte beim „Block“ (etwa in Höhe des Bahnüberganges südlich der Kläranlage) die Mosel. Sie war besser befestigt und stammte möglicherweise sogar schon aus römischer Zeit. Über Furten konnten die Menschen, sogar auch mit Fuhrwerken, die Mosel durchqueren. Dieses führte allerdings immer wieder zu Unfällen mit tödlichem Ausgang, besonders gefährlich war es dann, wenn die Mosel einen erhöhten Wasserstand führte.

Um eine einfachere und gefahrlosere Durchquerung der Mosel möglich zu machen, wurde später eine Fähre, im Volksmund „Pont“ genannt eingerichtet. Dazu wurden beiderseits der Mosel Anlegestellen, sogenannte „Pontenköpfe“ eingerichtet. Die Pont bestand aus einem Floß, mit dem Personen und Fuhrwerke übergesetzt werden konnten. Sie war etwa 10 Meter lang und 4 Meter breit. Die Fähre wurde auch von Winzern benutzt um zu ihren Weinbergen auf der gegenüberliegenden Moselseite zu gelangen. Die Pont wurde von der Gemeinde Nittel betrieben, dies beschreibt eine Eintragung aus dem Jahre 1886. Sie wurde an einen Fährmann, den „Ponteler“, verpachtet. Der Betrieb der „Pont“ wurde um das Jahr 1910 eingestellt.

In den Jahren 1956 bis 1964 wurde die Mosel entsprechend eines Vertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland, der Französischen Republik und dem Großherzogtum Luxemburg zur Schifffahrtsstraße ausgebaut. Am 26. Mai 1964 fand die feierliche Eröffnung des Projektes in Anwesenheit der drei Staatsoberhäupter statt. Das Leben an einem Fluss bringt viele Vorteile, aber es birgt auch Gefahren, zum Beispiel: Hochwasser. Dieses zeigte sich vor der Kanalisation der Mosel fast jährlich wenn im Frühjahr die Schneeschmelze in den Vogesen einsetzte oder nach starken und dauerhaften Regenfällen, wenn diese großen Wassermassen plötzlich in die Mosel gelangten.

„Die Mosel kommt“ hieß es dann in den tiefer gelegenen Straßen von Nittel. Die Familien räumten die Untergeschosse ihrer Häuser. Dann konnten sie nur abwarten und zusehen wie die gurgelnden, schmutzigen Fluten in ihre Häuser eindrangen, in der Hoffnung, dass das Wasser nicht bis in das erste Stockwerk hinein steigt. Die Landwirte mussten ihr Vieh aus dem Stall holen und es in höhergelegenen Gebäuden unterbringen. Nach dem Rückgang des Wassers wurde alles gesäubert und das Leben nahm wieder seinen alltäglichen Verlauf. Das höchste je in Nittel gemessene Hochwasser erreichte am Silvestertag 1947 seinen Höchststand. Nach der Kanalisation der Mosel wurde Nittel im April und Mai 1983 innerhalb von 6 Wochen zweimal von Hochwassern der Mosel heimgesucht.

Hochwasser 1983 und 2016 (Fotos: H.-J. Wietor)

Im Gegensatz dazu führte die Mosel, vor ihrer Kanalisation, in sehr trockenen Sommern oft so wenig Wasser, dass problemlos ein „kleiner und vom Zoll unbeobachteter Grenzverkehr“ möglich wurde.

Die Mosel wurde dann öfter auch schon mal mit einem Traktor durchquert. So wurde die Mosel im Jahr 1949 zu einem Festplatz und die jungen Leute des Dorfes feierten spontan ein kleines Fest im ausgetrockneten Flussbett.