Kategorie: Geschichte

Historischer Rundgang durch die Gemeinde Nittel 2021

28 August 2021, Köllig – Der Verein der Geschichts- und Kulturfreunde Nittel e.V. hatte auch in diesem Jahr wieder zu einem Historischen Rundgang, einer kleinen Zeitreise, eingeladen. Obwohl das Wetter nicht einladend war, nutzten zahlreiche Teilnehmer diese Möglichkeit, um mit Spaß und Freude die Geschichte von Nittel, Köllig und Rehlingen zu entdecken.

Hans-Josef Wietor führte die Teilnehmer zu verschiedenen historisch interessanten Punkten. Er berichtete über die seinerzeitigen Geschehnisse und erzählte dazu kleine Anekdoten und passende Sagen aus dem Sagenschatz. Um das Erzählte sichtbar zu machen wurden Vergrößerungen von historischen Fotos gezeigt. So konnten sich alle Teilnehmer, insbesondere die Kinder, ein Bild davon machen.

Die Rochuskapelle, die erstmals 1432 erwähnt wurde, war einer der Schwerpunkte. Dabei wurde deutlich, dass die Kapelle eine sehr wechselhafte Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen erlebt hat. Mehrfach stand sie vor dem Abriss oder dem Verfall, doch immer wieder gelang es den Menschen die Kapelle zu renovieren. Als im Mittelalter die Pest und im Jahre 1860 auch die Cholera in den Dörfern der Mosel viele Menschen das Leben kostete pilgerten die Menschen zur Kapelle und baten den Heiligen Rochus sie vor den ansteckenden Krankheiten zu schützen und um Hilfe um die Krankheit zu besiegen.

Der weitere Weg durch die Geschichte führte nach Köllig. Unterwegs kam die Entstehung des Moseltales zur Sprache. Dabei würde aufgezeigt, wieso auf den Höhen entlang der Mosel an vielen Stellen sehr viele Kieselsteine zu finden sind und wieso sich oberhalb der Felswand bei Nittel Sandgruben befinden, aus denen Sand geholt wurde, um Häuser zu bauen. Rehlingen hat eine einzigartige Besonderheit. Im Jahre 2000 wurde nahe der Mosel bei Baggarbeiten ein gut erhaltener römischer Ziegelbrennofen gefunden. Er stammt wohl aus dem 3. Jahrundert und ist der größte seiner Art in unserer Region.

Weiteres Thema war auch ein Entführungsfall auss dem Jahre 1558. Nittel gehörte zum Herzogtum Lothringen und beiderseits der Mosel gehörte Land zu Nittel. S konnte der lothringische Herzog Zölle bei der Durchfahrt der Schiffe erheben. Dieses führte immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den Herzogtümmern Lothringen und Luxemburg. So wurde der Nitteler, der die Zölle erheben musste, von den Luxemburgern entführt und in Grevenmacher festgesetzt. Er sollte wieder in Freiheit kommen, wenn die Erhebung der Zölle abgeschafft wird. nach zähen Verhandlungen veränderte sich nichts. Schließlich entfürhten die Nitteler dann auch einen Bediensteten des luxemburgischen Herzogs und setzen ihn in Nittel fest. Schließlich tauschte man die Entführten wieder aus, die Zölle wurden auch weiterhin erhoben.

Auch dieser dritte „Historische Rundgang durch die Gemeinde Nittel“ ist ein kleines Mosaiksteinchen, um die Geschichte und die Menschen näher zusammenzubringen und die Geschichte von Nittel, Köllig und Rehlingen zu erkunden, wahrzunehmen und zu bewahren. (Text: H.-J. Wietor, Fotos: I. Posaric)

Historischer Rundgang 2021

28. August, 2021, Nittel – Gemeinsam die Geschichte von Nittel, Köllig und Rehlingen erkunden, wahrnehmen und bewahren!

Zu einem etwa 2-stündigen Rundgang durch die Geschichte von Nittel, Köllig und Rehlingen lädt der Verein Geschichts-und Kulturfreunde Nittel e.V. alle Interessierten herzlich ein.

Die Teilnehmer werden unterwegs an geschichtlich relevanten Stellen viele interessante Informationen erhalten und dabei einiges über das Leben und die Menschen aus den zurückliegenden Epochen erfahren.

Menschen beeinflussen die Geschichte durch ihr Handeln und Tun so, wie die Geschichte eines Ortes den Menschen mit all ihren Auswirkungen prägt. Damit ist die Geschichte eines Ortes auch ein Teil der Geschichte seiner Bewohner, ein ständiges Geben und ein Nehmen. Die Wanderung wird geführt von Hans-Josef WIETOR, Vorsitzender des Vereins.

Termin: Samstag, 28. August 2021, 13.00 Uhr, Treffpunkt: St. Rochuskapelle, Nittel

Wir bitten auf dem Rundgang die aktuell gültigen Hygiene- und Abstandsregelungen zu beachten und einzuhalten.

Wir freuen uns auf Sie!

Das Jahr 2020 neigt sich langsam dem Ende entgegen. Die Hektik der vergangenen Monate lässt etwas nach. Es wird ruhiger und beschaulicher. Diese Tage möchten wir nutzen, um uns für Ihre Unterstützung herzlich zu bedanken und alles Gute im neuen Jahr zu wünschen…

Pressemitteilung: Covid-19

Sehr geehrte Freunde der Nitteler Geschichte und Kultur,

wir hatten für die Monate August bis Dezember 2020 folgende Veranstaltungen geplant:

29. August, 2020          Historischer Rundgang durch Nittel

12. September, 2020   Kultur-Tour „Auf den Spuren der Römer“

20. September, 2020    Weltkindertag

23.-25. Oktober, 2020   „Zeit für Kunst“: Bruno und Kurt Westerhausen

In Anbetracht der momentan wieder steigenden Infektionszahlen in der Corona-Pandemie haben wir uns dazu entschlossen die vorgenannten Veranstaltungen NICHT durchzuführen. Diese Entscheidung ist uns schwer gefallen, aber wir halten es in Anbetracht der jetzigen Situation und einem sorgsamen Umgang mit der aktuellen Corona-Lage für sinnvoll und angemessen. Wir hoffen auf Ihr Verständnis.

In der Hoffnung, dass wir im nächsten Jahr bessere Rahmenbedingungen haben, werden wir die vorgenannten Veranstaltungen in das Jahr 2021 verlagern, damit die interessierten Teilnehmer und wir uns ohne Vorbehalte und mit einem guten Gefühl, der Geschichte und der Kultur von Nittel widmen können.

Wir laden Sie trotzdem gerne ein auch weiterhin unsere Website (www.gkf-nittel.de) und die entsprechenden Social Media (Facebook, Instagram, Twitter @gkfnittel) zu nutzen und zu besuchen. Dort gibt es viele Möglichkeiten sich über interessante geschichtliche und kulturelle Dinge zu informieren und daran teilzunehmen.

Bleiben Sie gesund und hoffentlich bis bald.

Hans-Josef Wietor

1.Vorsitzender

Der Heilige Rochus, die Rochuskapelle und ansteckende Krankheiten

Nittel – Seit Menschen auf der Erde leben, wurden sie immer wieder von verschiedenen und teils sehr ansteckenden Krankheiten und Seuchen heimgesucht.

In den vergangenen Jahrhunderten waren dies z.B. Typhus, die Pest, die Cholera, die Pocken. Auch wenn die Krankheiten noch so lebensbedrohlich waren und viele Opfer forderten, die Menschen fanden immer einen Weg um die Krankheit zu besiegen. Auch die Menschen in Nittel und an der Obermosel blieben davon nicht verschont. Im Laufe des 30-jährigen Krieges (1618-1648) wurden die Menschen in unserer Heimat, etwa ab 1630, tief in die kriegerischen Auseinandersetzungen mit all ihren furchtbaren Begleiterscheinungen hineingezogen. Viele Dörfer wurden geplündert und niedergebrannt, viele Männer, Frauen und auch Kinder wurden auf grausame Art und Weise gefoltert, geschändet und sehr viele von ihnen verloren ihr Leben. Als die Soldaten ihr grausames Werk vollendet hatten, wurden die überlebenden Menschen an der Obermosel von Seuchen, hauptsächlich von der Pest, heimgesucht. Da die Menschen dieser Krankheit damals hilflos gegenüberstanden, fielen auch ihr zahlreiche Menschen zum Opfer. So wurde nach der Beendigung der Kriegshandlungen notiert, dass z.B. die Orte Rehlingen und Söst in dieser schlimmen Zeit durch die Kriegseinwirkungen und die Pest fast alle ihre Einwohner verloren.

Nittel gehörte damals zum Herzogtum Lothringen und der Beamte, der damals die lothringischen Steuern in Nittel eintreiben sollte, vermerkte ganz kurz und knapp, dass „Nittel nichts geben kann!“ Aus diesem Vermerk lässt sich erkennen, dass es den Einwohnern in Nittel wohl ähnlich ergangen war, wie vielen anderen Orten. Weiterhin ist überliefert, dass die Bevölkerung in Nittel im Frühjahr 1866 von einer sehr ansteckenden Krankheit, der Cholera, heimgesucht wurde. Der Krankheitsherd war wohl ein Brunnen in der „Mottergasse“. Damals mussten die Menschen das von ihnen benötigte Wasser aus zahlreichen Brunnen im Ort holen, eine zentrale Wasserversorgung, so wie wir sie heute kennen, gab es damals noch nicht. Nachdem die Menschen dort ihr Wasser in diesem Brunnen geholt und getrunken hatten, wurden sie von schrecklichem Durchfall geplagt. Dann stellten sich heftige Krämpfe ein, bei denen die Menschen laut aufschrien von Schmerzen. Ihre Haut färbte sich dunkel, ihre Kräfte schwanden zusehends und meist wurden sie nach 2 bis sechs Tagen durch den Tod von ihrem Leiden erlöst.

Pastor Bersdorf meldet dem Generalvikariat in Trier, dass Nittel seit dem 11. März 1866 von der Cholera heimgesucht wurde und am 13. März schon 29 Menschen an der Cholera erkrankt waren. Die Menschen hatten kein rechtes Mittel gegen die Epidemie. Sie bestreuten die Zugänge zu den Häusern in denen Erkrankte waren mit Kalk und hofften so die Cholera eindämmen zu können. Der damalige Kreisarzt des Kreises Saarburg empfahl Rotwein zu trinken. Viel besser als alle diese Mittel half nach Meinung der Leute damals das Trinken von saurer Milch. Es wurde überliefert, dass ein Mann der von der Krankheit schon schwer gezeichnet war und mit dem baldigen Tod gerechnet wurde eine ganz Schüssel saurer Milch trank und sich daraufhin erholte und wieder gesund wurde. Trotz dieses Erfolges verloren in Nittel annähernd 30 Menschen ihr Leben durch die Cholera. An einem Tag starben sogar 3 Menschen. Der Schreiner Huber musste damals alle anderen Arbeiten einstellen um genügend Totenschreine anfertigen zu können.

In dieser Not suchte man nach Hilfe und entsann sich der Wallfahrtskapelle auf dem Nitteler Berg und dem heiligen Rochus, dem Schutzpatron gegen die Pest und ansteckende Krankheiten. Die Nitteler und die Bewohner der umliegenden Orte pilgerten abends zum Gotteshaus, beteten dort zum heiligen Rochus und baten ihn um Hilfe. Das Kapellengebäude befand sich zu dieser Zeit in einem schlechten Zustand, deshalb gelobten die Menschen, sobald die Cholera besiegt sei, die Kapelle wieder zu einem würdigen Gotteshaus herzurichten. Als die Cholera schließlich besiegt war, vollzogen die Menschen ihr Versprechen und richteten die Kapelle auf dem Berg wieder zu einem würdigen und schönen Gotteshaus her.

Der heilige Rochus wurde in Montpellier in Frankreich geboren. Wann genau er gelebt hat ist unklar, denn als Geburts-und Sterbedaten werden in den Überlieferungen widersprüchliche Daten genannt. Sicher ist, dass er im 14. Jahrhundert lebte und in seinem Leben viele Menschen die an der Pest erkrankt waren heilen konnte. Schließlich erkrankte auch er an der Pest und konnte mit Gottes Hilfe die Krankheit besiegen. Der heilige Rochus ist der Schutzpatron u.a. für die Bauern, die Winzer, die Gärtner und zum Schutz vor ansteckenden Krankheiten und Seuchen.

In der Erinnerung an die Geschehnisse aus dem Jahre 1866 fassten die Menschen den Vorsatz von dieser Zeit an alljährlich am Rochustag zur Kapelle zu pilgern, um dem heiligen Rochus zu danken, ihn um gute Ernten für die Bauern und Winzer zu bitten und die Menschen vor ansteckenden Krankheiten und Seuchen zu bewahren. Seit vielen Jahren wird in Nittel am dritten Wochenende im August die Rochuskirmes gefeiert. Ein fester Bestandteil der Rochuskirmes ist auch die Pilgerung zur Rochuskapelle am 16. August, dem Tag des heiligen Rochus, an der alljährlich zahlreiche Menschen aus Nittel und Umgebung teilnehmen. (Text und Foto: H.-J. Wietor)