Category: Geschichte

Pressemitteilung: Covid-19

Sehr geehrte Freunde der Nitteler Geschichte und Kultur,

wir hatten für die Monate August bis Dezember 2020 folgende Veranstaltungen geplant:

29. August, 2020          Historischer Rundgang durch Nittel

12. September, 2020   Kultur-Tour “Auf den Spuren der Römer”

20. September, 2020    Weltkindertag

23.-25. Oktober, 2020   „Zeit für Kunst“: Bruno und Kurt Westerhausen

In Anbetracht der momentan wieder steigenden Infektionszahlen in der Corona-Pandemie haben wir uns dazu entschlossen die vorgenannten Veranstaltungen NICHT durchzuführen. Diese Entscheidung ist uns schwer gefallen, aber wir halten es in Anbetracht der jetzigen Situation und einem sorgsamen Umgang mit der aktuellen Corona-Lage für sinnvoll und angemessen. Wir hoffen auf Ihr Verständnis.

In der Hoffnung, dass wir im nächsten Jahr bessere Rahmenbedingungen haben, werden wir die vorgenannten Veranstaltungen in das Jahr 2021 verlagern, damit die interessierten Teilnehmer und wir uns ohne Vorbehalte und mit einem guten Gefühl, der Geschichte und der Kultur von Nittel widmen können.

Wir laden Sie trotzdem gerne ein auch weiterhin unsere Website (www.gkf-nittel.de) und die entsprechenden Social Media (Facebook, Instagram, Twitter @gkfnittel) zu nutzen und zu besuchen. Dort gibt es viele Möglichkeiten sich über interessante geschichtliche und kulturelle Dinge zu informieren und daran teilzunehmen.

Bleiben Sie gesund und hoffentlich bis bald.

Hans-Josef Wietor

1.Vorsitzender

Der Heilige Rochus, die Rochuskapelle und ansteckende Krankheiten

Nittel – Seit Menschen auf der Erde leben, wurden sie immer wieder von verschiedenen und teils sehr ansteckenden Krankheiten und Seuchen heimgesucht.

In den vergangenen Jahrhunderten waren dies z.B. Typhus, die Pest, die Cholera, die Pocken. Auch wenn die Krankheiten noch so lebensbedrohlich waren und viele Opfer forderten, die Menschen fanden immer einen Weg um die Krankheit zu besiegen. Auch die Menschen in Nittel und an der Obermosel blieben davon nicht verschont. Im Laufe des 30-jährigen Krieges (1618-1648) wurden die Menschen in unserer Heimat, etwa ab 1630, tief in die kriegerischen Auseinandersetzungen mit all ihren furchtbaren Begleiterscheinungen hineingezogen. Viele Dörfer wurden geplündert und niedergebrannt, viele Männer, Frauen und auch Kinder wurden auf grausame Art und Weise gefoltert, geschändet und sehr viele von ihnen verloren ihr Leben. Als die Soldaten ihr grausames Werk vollendet hatten, wurden die überlebenden Menschen an der Obermosel von Seuchen, hauptsächlich von der Pest, heimgesucht. Da die Menschen dieser Krankheit damals hilflos gegenüberstanden, fielen auch ihr zahlreiche Menschen zum Opfer. So wurde nach der Beendigung der Kriegshandlungen notiert, dass z.B. die Orte Rehlingen und Söst in dieser schlimmen Zeit durch die Kriegseinwirkungen und die Pest fast alle ihre Einwohner verloren.

Nittel gehörte damals zum Herzogtum Lothringen und der Beamte, der damals die lothringischen Steuern in Nittel eintreiben sollte, vermerkte ganz kurz und knapp, dass „Nittel nichts geben kann!“ Aus diesem Vermerk lässt sich erkennen, dass es den Einwohnern in Nittel wohl ähnlich ergangen war, wie vielen anderen Orten. Weiterhin ist überliefert, dass die Bevölkerung in Nittel im Frühjahr 1866 von einer sehr ansteckenden Krankheit, der Cholera, heimgesucht wurde. Der Krankheitsherd war wohl ein Brunnen in der „Mottergasse“. Damals mussten die Menschen das von ihnen benötigte Wasser aus zahlreichen Brunnen im Ort holen, eine zentrale Wasserversorgung, so wie wir sie heute kennen, gab es damals noch nicht. Nachdem die Menschen dort ihr Wasser in diesem Brunnen geholt und getrunken hatten, wurden sie von schrecklichem Durchfall geplagt. Dann stellten sich heftige Krämpfe ein, bei denen die Menschen laut aufschrien von Schmerzen. Ihre Haut färbte sich dunkel, ihre Kräfte schwanden zusehends und meist wurden sie nach 2 bis sechs Tagen durch den Tod von ihrem Leiden erlöst.

Pastor Bersdorf meldet dem Generalvikariat in Trier, dass Nittel seit dem 11. März 1866 von der Cholera heimgesucht wurde und am 13. März schon 29 Menschen an der Cholera erkrankt waren. Die Menschen hatten kein rechtes Mittel gegen die Epidemie. Sie bestreuten die Zugänge zu den Häusern in denen Erkrankte waren mit Kalk und hofften so die Cholera eindämmen zu können. Der damalige Kreisarzt des Kreises Saarburg empfahl Rotwein zu trinken. Viel besser als alle diese Mittel half nach Meinung der Leute damals das Trinken von saurer Milch. Es wurde überliefert, dass ein Mann der von der Krankheit schon schwer gezeichnet war und mit dem baldigen Tod gerechnet wurde eine ganz Schüssel saurer Milch trank und sich daraufhin erholte und wieder gesund wurde. Trotz dieses Erfolges verloren in Nittel annähernd 30 Menschen ihr Leben durch die Cholera. An einem Tag starben sogar 3 Menschen. Der Schreiner Huber musste damals alle anderen Arbeiten einstellen um genügend Totenschreine anfertigen zu können.

In dieser Not suchte man nach Hilfe und entsann sich der Wallfahrtskapelle auf dem Nitteler Berg und dem heiligen Rochus, dem Schutzpatron gegen die Pest und ansteckende Krankheiten. Die Nitteler und die Bewohner der umliegenden Orte pilgerten abends zum Gotteshaus, beteten dort zum heiligen Rochus und baten ihn um Hilfe. Das Kapellengebäude befand sich zu dieser Zeit in einem schlechten Zustand, deshalb gelobten die Menschen, sobald die Cholera besiegt sei, die Kapelle wieder zu einem würdigen Gotteshaus herzurichten. Als die Cholera schließlich besiegt war, vollzogen die Menschen ihr Versprechen und richteten die Kapelle auf dem Berg wieder zu einem würdigen und schönen Gotteshaus her.

Der heilige Rochus wurde in Montpellier in Frankreich geboren. Wann genau er gelebt hat ist unklar, denn als Geburts-und Sterbedaten werden in den Überlieferungen widersprüchliche Daten genannt. Sicher ist, dass er im 14. Jahrhundert lebte und in seinem Leben viele Menschen die an der Pest erkrankt waren heilen konnte. Schließlich erkrankte auch er an der Pest und konnte mit Gottes Hilfe die Krankheit besiegen. Der heilige Rochus ist der Schutzpatron u.a. für die Bauern, die Winzer, die Gärtner und zum Schutz vor ansteckenden Krankheiten und Seuchen.

In der Erinnerung an die Geschehnisse aus dem Jahre 1866 fassten die Menschen den Vorsatz von dieser Zeit an alljährlich am Rochustag zur Kapelle zu pilgern, um dem heiligen Rochus zu danken, ihn um gute Ernten für die Bauern und Winzer zu bitten und die Menschen vor ansteckenden Krankheiten und Seuchen zu bewahren. Seit vielen Jahren wird in Nittel am dritten Wochenende im August die Rochuskirmes gefeiert. Ein fester Bestandteil der Rochuskirmes ist auch die Pilgerung zur Rochuskapelle am 16. August, dem Tag des heiligen Rochus, an der alljährlich zahlreiche Menschen aus Nittel und Umgebung teilnehmen. (Text und Foto: H.-J. Wietor)

Historischer Rundgang durch Nittel

Kennen Sie schon die Geschichte und die Geschichten von Nittel? Wie die Nitteler im Jahr 882 die Normannen das Fürchten lehrten? Oder wie und wo es im 16. Jahrhundert in Nittel zu einem internationalen Entführungsfall kam? Wo das ehemalige Halfenhaus in Nittel steht? Was es mit der „Pont“ auf sich hat und wo sie sich befand?

Der Verein der Geschichts- und Kulturfreunde Nittel e.V. hatte auch in diesem Jahr wieder zu einem Historischen Rundgang, einer kleinen Zeitreise, am 24.08.2019 eingeladen. Bei wunderschönem Wetter nutzten zahlreiche Teilnehmer diese Möglichkeit, um mit Spaß und Freude die Geschichte von Nittel zu entdecken.

Der Vorsitzende des Vereines Hans-Josef Wietor führte die Teilnehmer zu verschiedenen historisch interessanten Punkten in Nittel. Er berichtete über die seinerzeitigen Geschehnisse und erzählte dazu kleine Anekdoten und passende Sagen aus dem Sagenschatz von Nittel. Um das Erzählte sichtbar zu machen wurden Vergrößerungen von historischen Fotos gezeigt. So konnten sich besonders die Kinder und die Teilnehmer die noch nicht so lange in Nittel leben, ein Bild davon machen.

Die Mosel war einer der Schwerpunkte, dabei spielten die Furten, die Normannenschlacht bei Nittel im Jahre 882 und die Schifffahrt eine große Rolle. An Hand der Fotos wurden auch die verschiedenen Gesichter der Mosel, bei Hochwasser, bei Niedrigwasser und vor der Kanalisation der Mosel, gezeigt. Besonderen Anklang fand auch ein Foto der Dorfjugend, als sie bei extremem Niedrigwasser ein Fest in der Mosel feierte. Die „Pont“ war eine Fähre die über viele Jahrzehnte die Menschen und Tiere trockenen Fußes über den Fluss brachte und so auch eine große Bedeutung hatte.

Auch die Geschichte der Eisenbahn wurde beleuchtet, von den Anfängen um 1870 bis in die heutige Zeit wie die beiden ersten Nitteler Schulen. Hier berichtete Hans-Josef Wietor von der Geschichte der Schulen, auch von dem Brand der ersten Schule im Jahre 1844. Weiteres Thema war auch ein Entführungsfall aus dem Jahre 1558. Zum Abschluss des Rundganges führte der Weg zur Pfarrkirche St. Martin. Auch hier gab es viel zu berichten, u.a. auch, dass die erste Kirche in Nittel vermutlich im 8. Jahrhundert erbaut wurde. Der „Historische Rundgang durch Nittel“ ist ein kleines Mosaiksteinchen, um die Geschichte und die Menschen im Ort näher zusammenzubringen und die Geschichte von Nittel zu erkunden, wahrzunehmen und zu bewahren. (Text und Fotos: I.P.)