Ausländische Mitbürger stellen ihr Heimatland vor

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7. März, 2020 Gasthaus Holbach-Müller, Nittel – Rund 65 Besucher ließen sich von den exzellent vorgetragenen Berichten über die extrem zuckerverehrenden Ägypter sowie den bohnenvertilgenden Brasilianern in ihren Bann ziehen.

Maha SEIF ELNASR präsentierte ihr Heimatland Ägypten launig und humorvoll gemäß dem Wahlspruch von Om Kalthum und Ahmed Ramy „Das Ägypten, das in meinen Gedanken und in meinem Gaumen lebt“.

100 Millionen, dem täglichen und auch politischen Witz sehr zugeneigte Einwohner haben Probleme mit Pünktlichkeit, Perfektionismus, „nein“ oder „weiß nicht“ sagen, leise sprechen und wenig Körperkontakt halten. Gesprochen wird Ägyptisch-Arabisch. Konträr zu Deutschland sind im Paradies für Vegetarier und Veganer nicht nur die Essenszeiten (mittags 16 Uhr, abends 23 Uhr), sondern auch die vielen Gemüse- und Obstsorten, die in Deutschland niemand kennt.

Kartoffeln sind Gemüse und werden auch als Füllung in Brötchen serviert. Reis in allen Variationen von weiß bis dunkelbraun (wegen des karamellisierten Zuckers) sind tägliche Beilagen, Gemüsefüllungen oder sehr süße Nachspeisen mit vielen Nüssen und „Eish“, das Wort für Brot, das auch „Leben“ bedeutet. Fisch und Meeresfrüchte werden anders zubereitet. Foul medammes (Saubohnen), Taameyya (wie Falafel), Feteer (Blätterteigkuchen süß oder salzig)  Koshari (Nationalgericht mit Reis, Kichererbsen, Linsen und weiteren vielen Zutaten und Gewürzen) sind die berühmtesten Gerichte. Taameyya auf Spießchen und Feteer süß mit Zuckerrohrsirup und Akazienhonig bekamen alle Besucher als kleine Kostprobe.

Warum Capoeira eine Mischung aus Tanz und Kampfsport ist? Den Sklaven in Brasilien war das Erlernen der Selbstverteidigung verboten und so entstand ein Kampfsport, der wie ein Tanz aussah, zur Täuschung ihrer Besitzer. Fred BARRETO ließ sein Heimatland Brasilien in vielseitigen Facetten sehr humorvoll vor den gebannt zuhörenden Besuchern vorüberziehen. 

Vom Portugiesischen Seefahrer Pedro Alvares Cabral 1500 „entdeckt“, der die Einheimischen Indios benannte in der Annahme, er sei in Indien gelandet und die von Portugiesen als Sklaven mitgebrachten Afrikaner sind die drei Stammeltern der meisten Brasilianer: Portugiesen, Indios und Afrikaner. Nach Abschaffung der Sklaverei kamen neue Einwanderer aus Italien und Deutschland. So gibt es eine Stadt, in der hauptsächlich Deutsch gesprochen wird und die Stadt Blumenau mit einem eigenen Oktoberfest und ihrem Bier namens  „Bavaria“ oder „Eisenbahn“.      

Das größte südamerikanische Land hat mit Sao Paulo die größte Stadt auf dem Kontinent Amerika, mit dem Amazonas den größten tropischen Regenwalt der Welt und mit Salvador die Stadt im Bundesstaat Bahia – dem Heimatland von Fred Barreto, die den größten Anteil an Menschen afrikanischer Abstammung hat, was sie kulturell so reich macht. Das bahianische Lieblingsessen vor allem der Kinder ist Beiju, ein Pfannkuchen aus Tapioca oder Maniok, gefüllt süß oder würzig. Fred Barreto hatte einen Topf schwarzer Bohnen auf Brasilianische Art gekocht und mitgebracht, zur Gaumenfreude aller Besucher. Eine großartige Kostprobe bekamen die Gäste vom mitreißenden Bluesrock, mit dem Fred Barretos virtuoses Gitarrenspiel und seine kräftig-weiche Stimme  die Anwesenden zum Mitsingen animierte, begleitet von seinen Söhnen Lucas am Keyboard und Julian an der Gitarre. Stürmischer Beifall für die Familienband!

Der 1. Vorsitzende Hans-Josef Wietor bedankte sich bei den zahlreichen Zuhörern für ihr Kommen, bei Maha SEIF ELNASRi mit einem Frühlingsblumenstrauss und bei Fred BARRETO mit einem Weinpräsent. Es war auch 2020 wieder ein Abend mit vielen interessanten Facetten über ferne Länder und ein Beitrag zur Völkerverständigung.  (Text und Fotos: C. Bingas)